| Beschreibung: | "Eine Frau ohne Ehemann ist wie gekochter Reis: geschmacklos, unappetitlich und nutzlos", so sagt es ein indisches Sprichwort. Dass in Indien längst nicht mehr alles so funktioniert, wie es traditionelle Werte und die Rolle der Geschlechter in der Gesellschaft vorsehen, zeigt dieser in allen Bereichen überraschende Film der indischen Regisseurin Deepa Mehta. In fast kammerspielartig enger Atmosphäre zerbricht eine Mittelschicht-Familie in Neu-Dehli an ihrer verlogenen Bigotterie und der plötzlichen Liebe der beiden Schwägerinnen zueinander.
Die junge Sita zieht nach indischer Tradition mit ihrem frischangetrauten Ehemann zur Familie seines Bruders. Der Bruder, ein religiöser Fanatiker, lebt im Zölibat und seiner Frau Radha in 16 Jahren Ehe kein Kind geschenkt, in Indien ein großes Unglück. Außerdem leben noch der ewig masturbierende Diener und die senile Mutter im Hause. Während Sitas frisch Angetrauter die meiste Zeit mit seiner Geliebten verbringt, ist Radhas Mann mit seinem Guru und seinen Lehren beschäftigt. Zwischen der Verrichtung der üblichen häuslichen Pflichten kommen die beiden Frauen sich langsam näher. Je stärker ihre Zuneigung füreinander wird, deste mehr stellen sie ihre Familie und die traditionelle Rollenverteilung in Frage. Überraschend schnell und unkompliziert leben die beiden Schönheiten auch ihre sexuellen Leidenschaften füreinander aus.
Vom durchtriebenen Hausdiener verraten und daraufhin vom Ehemann erwischt, kommt die überraschende Wendung. Nicht die erwartungsgemäße Zerschlagung der Beziehung und das nachfolgende Drama schließen sich an, sondern vielmehr ein Bekennen zueinander mit allen Konsequenzen
Die Aussage und Perspektive der Geschichte ist überaus mutig . Erwartungsgemäß gab es Tumulte bei der Voraufführung in Indien, wo der Film ebenfalls in die Kinos kommen wird. Männer, zumeist mittleren Alters, rebellierten und meinten, "so etwas" gäbe es in Indien nicht (männliche Homosexualität ist nach dem Gesetz verboten, weibliche Homosexualität findet dort keine Erwähnung. Allerdings kann nach § 377 des indischen Strafgesetzbuches "fleischlicher Verkehr gegen die Ordnung der Natur mit Mann, Frau oder Tier" mit lebenslanger Haft bestraft werden).
Die in Kanada lebende Regisseurin erhielt sogar Morddrohungen von erbosten Männern. Die Frauen im Publikum waren begeistert - und das werden sie bei uns sicher auch sein.
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